Die Vergangenheit von Elfengrau

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WGT 2004 - Eindrücke

BerichtePosted by Torelynn Thu, November 02, 2006 00:11

Donnerstag

Endlich war es so weit, der Tag der Abreise zum 13. WGT war da! Wer kennt das nicht, die wochenlange – oder sogar monatelange Vorfreude auf das alljährliche Treffen. Leipzig verändert sich dann, wird zum Mekka der schwarz Gewandeten mit vielen Veranstaltungsorten für diese.

Denn die große Gemeinschaft ist in viele Facetten unterteilt, unterschiedlichste Musikrichtungen und Vorlieben. So finden an einem Ort romantische Konzerte statt, an anderen schneller Elektrosound. Man kann im heidnischen Dorfe verweilen oder in Dresscode auf einer Fetishparty erscheinen. So viel Auswahl an Konzerten, Märkten und dazu noch Lesungen und Filme, das man schon in Streß kommen kann ;) Dieses Gefühl der Gemeinschaft zu genießen, Gleichgesinnte treffen, nicht allein durch die Stadt zu streifen und angestarrt zu werden ist schon schön...

Einige packen schon vorher eifrig ihre Koffer – andere stopfen auf den letzten Drücker alles in ihre Taschen, also Kleiderschrank auf, Klamotten raus! Viele sind mittlerweile dazu übergegangen, die Reise ganz entspannt mit dem Zug zu machen – so auch wir. Mit einer Gruppe von acht Leuten ging es los in ein abwechslungsreiches verlängertes Wochenende.

Wir kamen abends so um acht Uhr auf dem Leipziger Hauptbahnhof an, wo schon so manche schwarze Gestalt sich befand. Einige schwören auf das Zeltplatz Feeling und andere ziehen den Luxus einer Unterkunft mit sauberen Duschen und Klos ohne Warteschlangen vor. So trennten sich auch die Wege unserer Gruppe und jetzt zu zweit machten wir uns auf zu unserer Pension, die wir für 10 Euro ersteigert hatten. Der Weg mit der Straßenbahn dort hin dauerte nur ein paar Haltestellen und wir wurden angenehm überrascht - die Zimmer hell und mit Laminat ausgestattet, das Preis-/Leistungsverhältnis war in Ordnung.

Mittlerweile schon bald Mitternacht, machten wir uns auf den Weg zum Dark Flower. Von diesem Club hatten wir schon einiges gehört und waren neugierig darauf, ihn zu entdecken. Glücklicherweise bot uns der Stadtteil unserer Pension auf dem Weg zur City noch etwas zu essen. In Leipzig gibt es in den Dönerbuden Halloumi – eine Leckerei aus Ziegenkäse, die ich in Norddeutschland bisher noch nie gesehen, geschweige denn gegessen hatte.

Das Dark Flower war nicht schwer zu finden, aber leider war der Club komplett überfüllt und es kamen nur Wesen rein, wenn sich welche raus zwängten. Immer mehr Publikum erschien und wollte dort die erste Eröffnungsveranstaltung erleben und feiern. Nach einer Weile hatten wir keine Lust mehr zu warten, das wir eingelassen wurden, so suchten wir die Sixtina – die Absinthbar.

Diese war mir bekannt vom letztem WGT, wo ich dort nachmittags einer Lesung lauschte und die auch in diesem Jahr wieder ein vielfältiges Programm bot. Die Bar ist nicht sehr groß aber sehr stilvoll und bietet 90 Sorten Absinth in den verschiedensten Variationen! Es sah innen sehr gefüllt aus – ein DJ legte live auf, so begaben wir uns in den gemütlichen Hof mit vielen Blumenkübeln. Sogleich erschien eine freundliche Servicekraft und frage uns nach unseren Wünschen, einer von uns versuchte sich am Absinth. Der sympathische Bedienende zeigte uns Unwissenden, wie man das berüchtigte Getränk zu trinken hat – und klärte uns später noch über verschiedene Sorten auf mit samt persönlichen Empfehlungen - toller Service! Die Wirkung des ganzen war nicht so stark, wie man überall gerüchteweise gehört hatte – aber ohne blieb es auch nicht – war lustig ;)

Zu erwähnen für den Donnerstag wäre noch die Rückfahrt mit dem Nachtbus, das ist wirklich ein Erlebnis für sich, die Busfahrer sind schnell und waghalsig und man muss sich gut festhalten!

Freitag - Tag 1

Freitags am frühen Nachmittag auf dem Weg zur Agra waren die Straßenbahnen noch längst nicht so gefüllt von schwarzen Gestalten, wie es in nächster Zeit der Fall sein würde. Wenn die Festival Besucher von einem Veranstaltungsort zum anderen pendeln, paßt kaum noch jemand in die Bahn hinein. Die "normalen" Straßenbahnfahrer wirken dann immer etwas verloren, nehmen es aber mit Leipziger Gelassenheit ;)
Auch wenn die Schlangen an den Bändchenbuden lang wirkten, ging es doch zügig voran. Jedes Jahr darf man sich überraschen lassen, welche Farbe nun dieses Jahr dran ist. Sich vor den Agra Hallen nieder zu lassen, ist ein guter Ort, um all die verschiedensten Besucher zu beobachten – einige scheinen fast zu flanieren hier, um gesehen zu werden.

Moritzbastei oberer Markt war die nächste Station. Dort konnte man an den vielfältigen Buden entlang schlendern und schöne Dinge erwerben, wie Gewänder, Schmuck, Accessoires jeglicher Art, auch einen Drachenstand mit kunstvollen Lampen und sonstigen schönen Zierrat aus den Fabelwesen war zu bewundern.

Für das leibliche Wohl in diesem mittelalterlichen Ambiente war ebenfalls gesorgt, Crèpes und verschiedene Fleischarten füllten den Magen, natürlich darf auch der Met nicht fehlen ;)

Der Weg zur Parkbühne ist nicht leicht zu merken, so folgten so einige die diesen Ort aufsuchen wollten - anderen, die zielstrebig wirkten und manchmal klassischerweise ein anderes Ziel hatten. Diese Geschichten hört man öfter auf dem Festival ;)
Andere machten es sich einfacher und ließen sich mit einer Kutsche zum Ort des Geschehens bringen. Leipzig hat sehr schöne Parkanlagen mit faszinierenden Wasserspielen zu bieten, wo viele Besucher gerne verweilten.

Beim Eintreffen sollte als nächste Band Haggard auftreten und die Parkbühne war randvoll gefüllt. Es herrschte angenehme Stimmung, im Biergarten wurden Plauschereien abgehalten.

Die ersten Töne erklangen und alle eilten zur Bühne. Haggard absolvierte wieder eine tolle Bühnenshow mit vielen bekannten Stücken, sehr sehenswert und mitreißend für das Publikum über deren Köpfen etwas irritierend eine Kamera schwenkte

Abends trafen wir uns vom Elfengrau-Forum aus vor der Agra-Halle um gemeinsam an der Party unter anderem mit Dj Bruno Kramm teil zu nehmen. Dieser legte sehr beliebt auf, gute Klassiker und Stücke, die man viel zu selten erst an öffentlichen Orten hörte. Viele tanzten selbstvergessen in dieser etwas kalt wirkenden Halle

Mit ein paar Bier und netten Gesprächen haben wir ganz schön lange durch gehalten und machten uns zu zweit erst morgens auf den Weg zurück . Vor der Agra trafen verschieden Gruppen aufeinander – diejenigen die grad aufgestanden waren und aktiv wurden – die anderen, die mit einer Flasche Treffen Met zum Zelt gingen ;) (es wird einfach immer zu früh hell ;)). Da unsere Bahn zur Pension am Hauptbahnhof noch auf sich warten ließ, bot sich ein Frühstück an – wie für so einige Festivalbesucher auch – bei McDonald‘s , was ein lustiges Bild dort abgab ;)

Samstag - Tag 2

Auf dem Weg zur Parkbühne sahen wir wieder den Mann mit seinem kleinen Tischchen, auf dem er selbstgemachte Räucherstäbchenhalter aus mir unbekanntem Material und anderes feil bot. Er schien sich ein wenig zu langweilen ;)

Unsere erste Station am Samstag war dann Diva Destruction. Bei mir zu Hause lief ihre letzte CD rauf und runter und ich war voller Vorfreude auf das Konzert – wie viele andere Besucher auch, jedoch verließen so einige während des Auftritts ihren Platz vor der Bühne, sei es, das irgendwie keine richtige Stimmung aufkam oder weil der Auftritt so routiniert schien – die dargebrachten Songs waren auf jeden Fall bekannt wie auch beliebt und die Sängerin hat eine tolle Stimme. Sorry - Bilder sind leider etwas unscharf geworden

Die anschließend auftretenden Clan of Xymox begannen mit "There’s no Tomorrow" ihr Publikum zu fesseln. Während ihres Auftritts von ca. einer Stunde spielten sie Lieder quer aus den verschiedensten Zeiten, immerhin bestehen sie ja schon seit 20 Jahren. Zuerst gab es vom Publikum geliebte alte gitarrenlastige Stücke, wobei immer mehr sich mitreißen ließen und tanzten. Zum Ende hin kamen dann mehr ihre elektronischen Werke zur Geltung, doch auch diese sind gepaart mit der Clan of Xymox ganz eigenen Emotionalität. Selbst der Security an der Bühne schien dieser Sound zu gefallen ;) Ein wirklich gelungener Auftritt mit sehr zufriedenen Publikum, das noch Zugaben forderte – jedoch durfte es laut strikter Programmanweisung nur noch einen Song geben. Die Fotos der Band sind leider nichts geworden, doch war ich fasziniert von einer nebenstehenden Mutter mit ihrer Tochter – die beide ganz versunken in das Konzert waren .
Sonntag

Sonntag - Tag 3

Der Sonntag begann mit dem Black-Dust-Catcher-Büfett.

Anschließend machten wir uns auf dem Weg zum Völkerschlachtdenkmal, da spielte zu der Zeit zwar keine Band, aber das Denkmal muss man einfach mal gesehen habe. Viele schwarze Gestalten hielten sich dort und in der Umgebung auf, schauten sich die Ausstellung an und begaben sich auf den atemraubenden Weg nach oben, um die Aussicht zu genießen.

Einen Abstecher auf den Friedhof zum Relaxen vom Festival Stress kann ich nur empfehlen, den auch so einige machten. Allein das Krematorium sieht aus wie ein Schloss, der Friedhof selbst hat teilweise etwas verwunschenes, viele kleine Wege sind zu entdecken und schön gestaltete Gräber.

Ein Highlight des Sonntags waren auf jeden Fall die Crüxshadows, immer wieder verstehen sie es, das Publikum völlig zu begeistern und mitzureißen – sie haben eben eine tolle Ausstrahlung und man kann fühlen, das sie hinter ihrer Musik stehen. Rogue kletterte wie immer mit Vorliebe an den Bühnengestellen hoch ;) Crüxshadows werden nicht ohne Grund als eine der besten und beliebtesten Live-Bands gehandelt.

Lustig anzusehen war, das viele Besucher nach Konzertende zum vermeintlichen Ausgang – nämlich zu den Klos wanderten und dort alle eine Runde drehten um zum richtigen Ausgang zu kommen ;)

Sex Gang Children hatten es dann nicht so einfach, das übrig gebliebene Publikum in der wesentlich leerer gewordene Halle zu begeistern. Wir haben nur zwei Lieder angeschaut, ich kann also nicht sagen, ob sie es noch geschafft haben.

Letzte Station des Tages war das heidnische Dorf in welchem um diese Uhrzeit eine tolle Atmosphäre herrschte. Nur Fackeln und kleine Feuer erhellten es. Eine mir unbekannte mittelalterliche Gruppe trat grade auf und spielte die üblichen Lieder, die man immer wieder auf Mittelaltermärkten hört. Nichts desto trotz waren sie mitreißend!

Besonders schön waren die Stände mit ihren vielen Lampen und Stoffen, die kamen des Nachts sehr gut zur Geltung. In Kesseln über Feuer brodelte unbekanntes Essen, mit allerlei Schmuck, Gewändern und vielen anderen Dingen konnte man sich bis zur späten Stunde eindecken. Die Schänken waren stets gut besucht ;) Wer Hunger hatte, konnte wählen zwischen Fleischgerichten, gebackenen Gemüse und frischen Flammenkuchen und noch einigem mehr. Überrascht war ich, das in die großen Pfannen eines Standes das Essen aus Tiefkühlbeuteln kam! Süße Leckereien wurden auch geboten, wie z.B. Eis – und absolut zu empfehlen – Apfelkrapfen.

Montag - letzter Tag

Der letzte Tag des Festivals war angebrochen und das Wetter sah nicht so freundlich aus. Kaum in der Innenstadt angekommen, fing es an zu regnen, doch unten im Hauptbahnhof konnte man Regenschirme für nur 2,49 Euro erwerben ;) Zum Frühstück besuchten wir Bagel Brothers gleich in der Innenstadt (Nikolaistrasse 42), dort ist es zwar nicht ganz billig, aber alles wird frisch zubereitet, sogar mit Handschuhen – also ganz hygienisch. Bagels ist freundlich eingerichtet und bietet eine sehr große Auswahl an den verschiedensten Bagels, so das man sich kaum entscheiden kann. Dann gibt es noch frische Säfte, Kaffee, Cappuccino usw. und süßes – wie Donuts.

Gut gestärkt gingen wir zur Mortizbastei, um dort endlich mal durch die Gewölbe zu schlendern und uns in Ruhe die Stände anzusehen – doch überrascht musste wir fest stellen, das die meisten schon abgeräumt hatten und nur noch wenige Händler ausharrten. Trotz der Enttäuschung darüber, bewunderten wir das Gewölbe, in dem man sich gedanklich leicht in eine andere Zeit versetzen lassen kann. Aus dem hinteren Teil erschallten mittelalterliche Klänge und wir entdeckten, das eine von der allgemeinen Aufbruchsstimmung unbeeindruckte Truppe die spärlichen letzten Besucher mit Worten und Musik bestens unterhielt. Einige lauschten nur, andere tanzten – es hätte noch endlos so weiter gehen können, den die Stimmung war bestens. Leider ist mir der Name der Gruppe entfallen, falls ihr ihn wisst, schreibt mir doch bitte :)

Auf dem Weg zur Parkbühne kam man sich schon richtig einsam vor, die meisten Besucher waren mit ihrem Auto vor gefahren. Es spielten grade Antiworld, die sich nach ihrem Auftritt locker unter das Publikum mischten und auch für Fragen und Fotos offen waren. Die Wartezeit bis zu dem Auftritt von Mephisto Walz versüßten wir uns mit Frozen Erdbeer – lecker! Sehr angenehm war, das die Parkbühne nicht sehr gefüllt war, denn so konnte man das nun folgende Konzert richtig genießen – auch war das Publikum schön gemischt mit auch vielen Älteren, was auch gleich in der Ansage der Band erwähnt wurde ;)

Mephisto Walz waren mein persönlicher Höhepunkt des Festivals, die Sängerin war so sympathisch, als sie einmal ihren Text vergaß, lachte sie erfrischend ins Mikro. Die neuen Songs, die im bekannten Stil waren, gefielen den Besuchern sogleich und zu den alten Songs tanzten so viele in der Parkbühne, wie ich es bisher nicht sah. Wirklich toller Auftritt, sehr mitreißend und eine nette Band, die Ur-Goth-Rock genial rüber brachte.

In der Agra Halle lief am Montag das schon fast obligatorische Mittelalterprogramm und wir wollten Corvus Corax nicht verpassen. Diese fingen allerdings erst eine ganze Weile später an zu spielen und wir vertrieben uns die Zeit damit, den köstlichen Treffen-Met zu trinken. Zwischendurch erschien auch deren Nachschub in einem Wagen – bedruckt mit "Schnelle METinzinische Hilfe" – sind schon lustige Gesellen die Methändler ;)

Zurück zur Bühne - diese schien mir für eine Band wie Corvus Corax einfach zu klein und der Sound nicht ausreichend für so eine Truppe, doch ihr Auftritt war trotzdem absolut sehenswert und sie begeisterten das Publikum komplett und bildeten damit einen schönen Abschluss fürs diesjährige WGT. Nicht so schön war, das einige Zeit später jemand sich selbst durch die dicken Glasscheiben der Agra Halle befördern wollte, denn es endete mit vielem fließenden Blut.

Das 13. WGT lief - so weit mir bekannt, wesentlich friedlicher ab, als letztes Jahr (wo es Schlägereien und Angriffe gab). Die Festival-Karten waren dieses Jahr besonders gelungen und die Security war ausnahmslos freundlich, die Bändchenausgabe lief zügig ab – von daher ein Lob an die Organisation in diesem Sinne. Leider gab es einen tragischen Unglücksfall mit zwei Toten (was aber nichts mit der Organisation zu tun hatte), hiermit spreche ich mein Mitgefühl aus.

Sicherlich hat jeder seine ganz persönlichen Highlights und Kritikpunkte erlebt. Eine vielfältige Auswahl an Bands und anderen Veranstaltungen, macht es einem zwar nicht leicht, sich zu entscheiden – aber es ist für jeden Geschmack der breit gefächerten schwarzen Szene was dabei.

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